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Die österreichische Levantepost in Bulgarien

(Staatspost, Lloyd, DDSG) philatelistisches Handbuch und Katalog, von Dr. sc. Georgi Popov.

Dieses 76 Seiten starke Buch ist 2008 erschienen und beinhaltet die Konsularpostämter auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien, also Filippopel, Rustschuk, Sofia, Warna und Widdin. Die Postämter des österreichischen Lloyd in Varna und Burgas und das Postwesen der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft in den bulgarischen Donauhäfen sind weitere wesentliche Bestandteile. Namentlich genannt sind die Donauhäfen Lom-Palanka, Nicopoli, Oreava, Rustschuk, Silistria, Sistov, Turukai, Varna und Widdin. Den Abschluss bildet die Beschreibung und Bewertung der verwendeten Stempel nach der Unabhängigkeit Bulgariens im Jahr 1878 für den Nordteil und 1885/86 für den zunächst Ostrumelien genannten Südteil.

Auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien existierten neben der unzuverlässigen türkischen Post auch verschiedene ausländische Poststellen. Dazu gehörte auch die österreichische Post, die zunächst in den österreichischen Konsulaten Poststellen eröffnete. Diese standen in Konkurrenz zu den Agenturen der DDSG. Zwischen 1845 und 1868 wurden Poststellen eröffnet und zwischen 1880 und 1889 wieder geschlossen. Stempel von Sofia sind sehr selten und von Varna und Widdin selten. Auffällig ist die späte Schließung des Standortes Filippopel. Dies könnte darin begründet sein, dass Filippopel als Hauptstadt von Ostrumelien bis 1886 faktisch dem türkischen Administrationsrecht unterstand.

Die Portosätze der Levantepost sind vergleichsweise kompliziert; denn sie setzten sich aus dem Levanteporto und der Gebühr für die Weiterbeförderung zusammen. Gewicht, Postweg und Entfernung spielten auch eine gewisse Rolle bei der Portoberechnung. Eine Tabelle verdeutlicht das hinreichend, zumal noch drei verschiedene Währungen (Kreuzer, Soldi und Bani) verwendet werden konnten. Aber es gehört sicher nicht zum Allgemeinwissen des Levantesammlers, dass für die Schiffspassage von Burgas nach Konstantinopel nur eine ermäßigte Gebühr von 4 Sld. zu entrichten war.

Die beiden Postämter des Österreichischen Lloyd befanden sich in Burgas und Varna, wobei das Amt in Burgas auch die Funktion eines österreichischen Auslandspostamtes wahrnahm. Trotzdem sind Stempelabschläge des Lloyd aus Burgas selten. Insgesamt liefen Schiffe von 4 Linien bulgarische Häfen an, von denen die letzten beiden Linien Triest-Constantinopel-Burgas-Varna-Galatz und Constantinopel-Varna-Constantza erst 1914 eingestellt wurden. Varna war deshalb wichtig, weil 1866 die Bahnlinie von Varna nach Rustschuk fertiggestellt wurde und die Post dann auf dem Landweg transportiert wurde. Hierdurch verringerte sich der Transportweg um 400 km und in Rustschuk wurde die Verbindung mit den Schiffen der DDSG hergestellt.

Die DDSG als private Gesellschaft bedeutete Konkurrenz für die staatliche österreichische Post. Sie durfte daher nur Post an den Schiffen und den Büros annehmen, musste aber andrerseits auch Briefe der staatlichen Post befördern. In Orten, in denen es beide Dienste gab, wie Widdin und Rustschuk, hatte der Kunde die Wahl und es herrschte starker Wettbewerb. Eine kurze Beschreibung aller bulgarischen Orte mit österreichischer Präsenz beendet diesen einleitenden Teil.

Bei einem Katalog dieser Art ist das Wichtigste der Stempelteil. Dieser Teil ist recht überschaubar. Die Preise sind Angaben in Büro und spiegeln die Beobachtung des deutschsprachigen Marktes der letzten 15 Jahre wider. Es sind einfache Frankaturen zugrunde gelegt; dies können Levante-Marken, solche von Lombardei-Venetien, Mischfrankaturen oder auch solche der DDSG sein. Gepäckkontrollmarken der DDSG haben in diesem Zusammenhang keine philatelistische Bedeutung.

Es sei hier das Beispiel Lom-Palanka einmal konkret vorgestellt. Von diesem Ort gibt es fünf verschiedene Stempel, einen ovalen der Agentur der DDSG, zwei Einkreisstempel mit und ohne Jahreszahl und die beiden postamtliche Stempel „Saldiert" und „Ausgefolgt". Für den ersten Stempel liegen drei Bewertungen für blaue und schwarze Stempelfarbe vor, lose Marken werten SO-60 €, für ganze Brief sind 250 -400 € anzusetzen, hierbei gibt Popov einen etwas niedrigeren Wert für Abschläge ab 1880 an. Blaue Einkreistempel ohne Jahreszahl werten 40 € für die lose Marke und 300 € für den Brief, für Einkreisstempel mit Jahreszahl liegen die Preisansätze etwas höher. „Saldiert" ist auf Briefen aus dem Jahre 1871 bekannt, also selten. Noch seltener ist der unter LOM 5 aufgeführte Stempel „Ausgefolgt", der bei einer Auktion des Jahres 2002 nachgewiesen wurde und bei Müller unter Nr. 7074 auf S. 358 registriert wurde. Für solche Raritäten sind die Preisansätze mit 100 € für die lose Marke und 700 € für den Brief als moderat anzusehen. Dem Katalogteil jedes Ortes folgt eine Seite mit Belegen jedes Ortes, das kann dann auch schon einmal eine rumänische Ganzsache sein.

Die Bewertung der Orte ist in der Größenordnung gleich. Die Stempelvielfalt ist enorm, wenn der Einzeiler mit abgerundeten Ecken aus Oreava oder der Rechteckstempel „Saldiert" aus demselben Ort betrachtet wird, der ab 1875 zur Entwertung von Briefmarken eingesetzt wurde.

Aus Rustschuk ist ein Negativstempel der Postexpedition in schwarzer Farbe bekannt, für den Popov LP angibt. Es handelt sich dabei um den einzigen bekannten Brief mit diesem Stempel aus dem Jahre 1876, der zur Entwertung von zwei Marken der ottomanischen Post eingesetzt wurde. Aus Rustschuk gibt es auch postamtliche Stempel wie „Franco", „Recom" oder „PD", die auf Brief einen Aufschlag von 50 -100 € bedeuten. Bei vielen abgebildeten Poststücken ist die Auktion angegeben, bei der sie wann und unter welcher Losnummer versteigert wurden.

Spitzbuben hat es schon immer gegeben und so ist es guter Sammlerservice, dass auch Falschstempel mit der genauen Angabe, was falsch ist, abgebildet sind. So gibt es Fälschungen bei Einkreisstempeln der Städte Varna und Sofia. Aber auch beim Kastenstempel „Lettere Arrivate per märe Varna" haben die Filoutelisten zugeschlagen, sinnigerweise auch auf einem Briefstück.

Nach diesem Hauptteil folgt eine Aufstellung von sieben Stempeln auf Briefen aus Bulgarien, die keiner bestimmten Stadt zugeordnet werden können. Ein Rahmenstempel „Unfrankiert" ist ebenso nicht zuzuordnen wie ein eirunder Stempel mit großen Buchstaben „DDSG". Es ist auch nicht sicher, in welchem Ort der Zusatzstempel „Per Dampfschiff' eingesetzt wurde. Von diesen Stempeln sind zwar Belege abgebildet, aber eine Herkunft ist dabei nicht zu erkennen.

Den Abschluss dieses interessanten Katalogs eines Teilgebiets der Levantephilatelie bildet eine Aufstellung der Schiffsstempel des Österreichischen Lloyd. Diese gibt es entweder als Stempel mit dem Schiffsnamen oder als Einkreisstempel mit der Inschrift „Lloyd Austriaco" mit dem Zusatz von römischen Ziffern als Kennzeichen für das jeweilige Schiff, etwa XLV für die „Cleopatra" in den Jahren 1898 bis 1900. Die Bewertung dieser Stempel ist sehr einheitlich mit 40 € für Stempel auf der losen Marke und 400 € als Abschlag auf dem Brief. Preiswerter sind Stempel des Schiffes „Sultan", weil dieses Schiff von 1882 bis 1893 durch bulgarische Behörden angemietet wurde und zweimal wöchentlich auf der Linie Baltschik-Varna-Burgas verkehrte.

Ein interessantes Buch für Liebhaber der Levante-Philatelie und sicher eine Lektüre wert.

Wendelin Najc schickt es Ihnen gern unter dem Kürzel LE 04 zu.

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