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Vorphilatelie

Unter dem Stichwort “Vorphilatelie” bezeichnet man Briefe ab 1750 bis 31.5.1850.
Die Vorphilatelie umfaßt also den Zeitraum von 100 Jahren.

Briefe mit handschriftlichen Ortsnamen oder Poststempel waren ab ca. 1750 üblich. Der erste bekannte Stempel stammt von Wien aus dem Jahre 1751. Es gab aber auch Ausnahmen in dieser Zeit. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es durch das einheitliche Porto zur fast gänzlichen Einstellung des Gebrauchs von Stempeln. Diese Zeit, von ca. 1798 bis 1818 wird allgemein als die “stempellose Zeit” bezeichnet. Erst mit dem 1. Januar 1818 wird die Verwendung der Poststempel allgemein angeordnet.

Zur Vorphilatelie haben wir zur Zeit zwei Beiträge für Sie.

Vorphilatelie für Einsteiger

Müllers Stiefkinder:
Die Vorphilabriefe ohne Stempel !

Vorphilatelie für Einsteiger.
Hubert Jungwirth

Die Vorphilatelie ist ein wichtiger Teilbereich der Postgeschichte, aber auch der traditionellen Philatelie (etwa hinsichtlich der Stempelkunde oder der Briefkultur). Der Einstieg in das Sammelgebiet ist zugegebenermaßen beschwerlich, auch der ästhetische Eindruck eines vorphilatelistischen Beleges bietet meist wenig Anreiz, sich damit näher zu befassen. Striche, Ziffern und Buchstabenkürzel sind für den Anfänger „spanische Dörfer“. Wir wollen helfen und haben in Hubert Jungwirth aus Gries in Tirol einen Autor gefunden, der Anfängern und Neueinsteigern das nötige Grundwissen vermitteln will, um vorphilatelistische Belege verstehen und deuten zu können....

Von den ersten Briefkästen und ihren Folgen
Immer wieder habe ich versucht, mit Artikeln für Vorphilatelie zu werben. Und jedes Mal habe ich von Sammlern, die sich mit dem sogenannten „Altpapier mit dem komischen Gekritzel“ nicht befasst haben, hören müssen, dass ich viel zu kompliziert schreibe und daher keinen Beitrag zum besseren Verständnis für Altbriefe leiste. Ich gebe aber nicht auf, sondern unternehme mit dem folgenden Beitrag einen neuen Anlauf, um für mehr Verständnis für die Vorphilatelie zu werben:
Die österreichische Vorphilatelie umfasst 350 Jahre. Sie reicht von der Gründung unseres Postwesens um 1500 bis zur Einführung der Briefmarken 1850. Vorphilabelege sind Briefe und Postformulare aus jener Zeit.Im Jahre 1817 wurden vor den österreichischen Postämtern und an zentralen Plätzen der Städte die ersten Briefkästen montiert. Seither musste die Kundschaft ihre Briefe nicht mehr beim Postmeister persönlich aufgeben, sondern konnte sie – vorerst allerdings nur die Inlandbriefe – zu jeder Zeit , ohne eine Gebühr zu bezahlen, einwerfen. Damit begann die Zeit der vielen Portobriefe , die bis 1850 währte.
Portobriefe sind für Vorphilatelisten jene Briefe, für die der Empfänger die Gebühr bezahlte. Sie werden auch Taxbriefe genannt, weil sie der Postmeister des Aufgabepostamtes auf der Vorderseite taxierte. Das heißt, dass er über der Adresse anschrieb, wie viele Kreuzer der Empfänger zu bezahlen hatte. Die Taxe richtete sich nach dem Gewicht und der Entfernung.
Neben den vielen Portobriefen gab es aber auch Frankobriefe. Sie mussten weiterhin persönlich im Postamt aufgegeben und bezahlt werden. Der Postmeister musste im Beisein des Absenders auf der Briefvorderseite das Frankokreuz zeichnen, das unmissverständlich anzeigte, dass der Empfänger nichts mehr zu bezahlen hatte. Häufig stehen auf der Vorderseite links unten auch noch Frankovermerke wie franco, frco, fro ... Später verwendeten die Postämter auch Frankostempel. Taxiert wurden die Frankobriefe logisch- erweise auf der Rückseite = Absender-/Siegelseite, weil die Gebühr ja vom Absender bezahlt worden war.
 

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Portobrief

Typischer Portobrief vom 27.12.1820 aus Wien, per Linz nach Micheldorf bei Kirchdorf. Der Wiener Postmeister hat den Ortsstempel des Aufgabepostamtes abgeschlagen, damit die Entfernung kontrollierbar blieb. Dann hat er den Brief gewogen und der Beförderungsstrecke entsprechend mit 8 Kreuzer Porto für den Empfänger auf der Vorderseite = Adressseite taxiert. Die Rückseite = Absender-/ Siegelseite (im Bild also unten) blieb hier leer, weil der Absender nichts bezahlt hat.

Abbildung unten:
Typischer Frankobrief vom 7.9.1835 von Triest nach Bruck a.d.M. Der Brief wurde persönlich am Postamt in Triest aufgegeben. Dort hat der Postmeister den Ortsstempel abgeschlagen und vor den Augen des Absenders das Frankokreuz gezeichnet, wodurch der Empfänger von der Gebühr entlastet war. Auf der Rückseite = Absenderseite des Faltbriefes (im Bild oben) hat er 14 Kreuzer  angeschrieben, welche der Absender bezahlt hat. Wenn Sie, liebe Leser, die „14“ entziffern wollen, wenden Sie den Brief um 180°: der Strich nach unten ist die „1“, das damit verbundene „s“ ist die „4“.

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Frankobrief

Über die Gebührenberechnung ....werde ich beim nächsten Mal schreiben, sofern ich nicht wieder hören muss, dass mein Beitrag zu kompliziert war. H.J.

Dieser Artikel wurde der Zeitschrift „ Die Briefmarke“, Ausgabe Nov. 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Herausgebers entnommen.

 

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